Die Mobilität von Morgen gestalten

Ein Gastkommentar von Matthias Wissmann zu dem Thesenpapier “Automobilindustrie im Umbau

Matthias Wissmann, Foto: VDA

Matthias Wissmann, Foto: VDA

Wahr ist: Mobilität verursacht Ressourcenverbrauch, Lärm, Abgase und trägt zum Klimawandel bei. Dass Schadstoffemissionen seit 1990 um bis zu 99 Prozent gesenkt wurden und steigende Verkehrsleistung trotzdem zu sinkenden CO2-Emissionen geführt hat, zeigt den richtigen Weg. Zufrieden können wir indes nicht sein. Insbesondere der Blick auf Urbanisierung und Mobilisierung der BRIC-Staaten (Brasilien, Russland, China und Indien) zeigt: Der Trend stimmt, doch reine Trendfortschreibung reicht nicht.

Wahr ist auch: Mobilität ist Voraussetzung unseres wirtschaftlichen Lebens, lässt uns zur Arbeitsstätte kommen und Besorgungen machen, schafft Wachstum und Wohlstand. Mobilität lässt uns neue Horizonte entdecken, am gesellschaftlichen und kulturellen Leben teilhaben, bringt uns zusammen, bereichert uns. Was wäre die europäische Integration, wenn wir sie nicht durch Reisen und Austausch mit unseren Mit-Europäern erleben würden? Es wäre ein armes Europa, das nur auf dem Papier existieren würde.

Wir brauchen also Lösungen, die Mobilität ermöglichen – und Ökonomie und Ökologie in Einklang bringen.
Wenn Verzicht auf Mobilität der falsche Weg ist, was ist der richtige? Für die deutsche Automobilindustrie lautet die Antwort: Innovationen. Hier wurde das Auto erfunden, hier wird es mit zehn Patenten pro Tag immer wieder neu erfunden. Die effizientesten Autos kommen aus Deutschland, die Automobilindustrie investiert mit Abstand am meisten in Forschung und Entwicklung. Das sagt nicht der VDA, das sagen Kraftfahrt-Bundesamt und Stifterverband. Auch der Verkehrsclub Deutschland (VCD) kommt nicht umhin, 70 Prozent der Spitzenplätze in seiner Umwelt-Autoliste deutschen Konzernmarken zu verleihen. Innovation findet im kleinen Bauteil und im großen Geschäftsmodell statt: von der Piezo-Einspritzdüse, welche den Spritverbrauch senkt, bis zum neuen Carsharing, welches es auch für breite Bevölkerungsschichten interessant macht, statt des privaten Autobesitzes das in jeder Situation optimale Verkehrsmittel zu wählen. Die erste CFK-Karosserie in Großserie wird von deutschen Herstellern mit neuen Partnern vorangebracht: eine Leichtbauweise, die das Fahrzeuggewicht deutlich verringern und damit die CO2-Bilanz verbessern wird.

Neue Technik, neue Geschäftsmodelle, neue Partner: Das sind Innovationen für die Mobilität von Morgen. Das ist Aufgabe der Wirtschaft, das ist die Herausforderung, der sich die Automobilindustrie jeden Tag annimmt. Von der Politik braucht sie dabei Zweierlei:

1. Verlässliche Rahmenbedingungen:
Das bedeutet Grenzwerte und Rahmensetzung, die anspruchsvoll genug sind, unsere Umwelt- und Klimaschutzziele zu erreichen und angemessen genug sind, dass sie auch erreicht werden können. Das bedeutet eine Harmonisierung der Marktbedingungen weltweit, damit Innovation und Produktion auch hier stattfinden können.

2. Unterstützung in der Durchsetzung internationaler Normen und Standards. Denn Wettbewerb um die beste Idee braucht beides:
Technologieneutralität einerseits, technische Standards andererseits. Wenn wir es beispielsweise nicht zumindest auf EU-Ebene schaffen, uns auf einen Elektro-Stecker zu einigen, dann behindern wir Innovationen und Markterfolg auf Jahre.

Matthias Wissmann
ist Präsident des Verbands der Automobilindustrie (VDA).

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