Saskia Sassen

Kurzbiographie

  • geboren 1949 in Den Haag, Niederlande
  • in Buenos Aires und Italien aufgewachsen
  • Studium der Philosophie und Politikwissenschaft an der Universität von Poitiers, Frankreich.
  • Studium der Soziologie und Wirtschaftswissenschaften an der University Notre-Dame, Indiana
  • Saskia Sassen ist mit dem prominenten amerikanischen Soziologen und Kapitalismuskritiker Richard Sennet verheiratet.

 

Akademische Laufbahn

Saskia Sassen ist gegenwärtig

  • Centennial Professor (eine Ehren-Gastprofessur) an der London School of Economics,
  • Lynd Professor an der Columbia University, New York im Department of Sociology sowie Mitglied im Committee on Global Thought,
  • Ralph Lewis Professor of Sociology an der University of Chicago

 

Journalistische Tätigkeit

Saskia Sassen publiziert regelmäßig in folgenden Zeitungen:

The Guardian, The New York Times, Le Monde Diplomatique, The International Herald Tribune, Newsweek International, The Financial Times

 

Forschungsarbeit

Saskia Sassen ist nicht nur Soziologin. Ihr wissenschaftliches Betätigungsfeld ist von Interdisziplinarität gekennzeichnet und sehr breit gefächert.

Themenschwerpunkte:

  • Globalisierung
  • Immigration
  • Stadtsoziologie
  • Technologie und Innovation
  • der soziale Wandel hinsichtlich der Rolle und Position des Staates im internationalen System → der Entstaatlichung der internationalen Beziehungen

 

Themen und Thesen

Globale Metropolen (Global Cities/Cities in a World Economy)

Saskia Sassen hat verschiedene Weltstädte untersucht, so z.B. New York, Tokyo, London, Sao Paulo, Hong Kong, Toronto, Miami und Sydney. Global Cities sind ihrer Definition zufolge „zentrale Standorte für hochentwickelte Dienstleistungen und Telekommunikationseinrichtungen, wie sie für die Durchführung und das Management globaler Wirtschaftsaktivitäten erforderlich sind.“

Für Saskia Sassen vollziehen sich diese Entwicklungen vor dem Hintergrund der Globalisierung und dem Rückzug des Staates (zumindest aus bestimmten gesellschaftlichen Bereichen). Ein typisches Phänomen unserer Weltökonomie ist die „Kombination von geographischer Streuung der Wirtschaftstätigkeit und Systemintegration“, die „neue Formen der Konzentration“ von Besitzverhältnissen erzeugte und nun ihren Ausdruck in den Global Cities findet.

Sassen möchte verstehen, wie in diesen Städten – von ihr auch als „transnationalen Markträume“ bezeichnet – globale Prozesse vor sich gehen. Sie interessieren in diesem Sinn die Zusammenhänge (“intersections”) von Globalem und Lokalem.

Globalisierung geschieht, so Sassen, nicht im luftleeren Raum, sondern in bestimmten Räumen und dies sind transnationale Räume im Nationalstaat. Es entstehen neue Muster sozialer Ungleichheit in den Städten. So besteht eine Segementation in den Dimensionen des Sozialen, Wirtschaftlichen und Räumlichen. Dabei liegt für die Soziologin auf der Hand, dass gerade niedrig qualifizierte Arbeitsmigrant/inn/en besonders häufig von Segmentation,und in der Folge von sozialer Exklusion und Benachteiligungen betroffen sind.

Zussammenfassend konstatiert Saskia Sassen, dass die Dualität, die zwischen hochentwickelten Ländern und Entwicklungsländern besteht, also die Tendenzen der Zentralität vs. Marginalität, nun auch in den entwickelten Ländern evident sind. Sie nennt dies einen „peripheralization process“ in Regionen, die bisher zum sogenannten „core“ gezählt wurden. Dies bezieht sich auf die globale, regionale und urbane Ebene.

 

Informelle Ökonomie

Ein Hinweis für die Prozesse der Marginalisierung in den hochentwickelten Industrienationen ist die Ausbreitung der informellen Wirtschaft. Einerseits stellt die informelle Ökonomie eine solidarische Strategie zur günstigen Versorgung mit lebensnotwendigen Gütern dar, andererseits ist diese ein Produkt des entwickelten Kapitalismus und dessen Logik der Profitmaximierung, um in der Praxis Produktionsstandards und arbeitsrechtliche Normen aufzuweichen und zu umgehen.

 

Stadtentwicklung

Laut Sassen ist eines der gegenwärtigen Hauptprobleme der Stadtplanung, das Spannungsfeld zwischen Stadtzentrum und Umgebung aufzulösen. Für die moderne Raumplanung und Stadtentwicklung gilt es die Herausforderung zu bewältigen, die traditionellen inneren Städte/Stadtzentren (“inner city”) mit den Vorstädten zu verbinden. Das alte Zenturm/Vorstadt-Modell hält Sassen für nicht mehr adäquat als Basis für die heutige Stadtregierung bzw -verwaltung. Die Soziologin kritisiert auch, dass immer noch die Region als Stadtumgebung zu wenig einbezogen wird. Dieses Problem äußerte sich, so Sassen, in den Aufständen in den französischen Vorstädten (Banlieus) in Form von Gewalt in diesen Einwanderer-Ghettos. In multiethnischen Städten ist ein möglicher Lösungsansatz die Multikulturalität.

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