
Müllsammler, Photo: Sterneck (flickr), CC NC-SA 3.0
Politik Bottom Up – Verbraucherverhalten verändert die Welt
In der Vergangenheit tobte oft genug der Instrumentenstreit darum, wie wir am besten zu einer nachhaltigen, ökologischen, klimaverträglichen, fairen Wirtschaftsweise kommen. Regelt es die gute alte Ordnungspolitik? Der Markt, wenn ihm nur die richtigen Leitplanken gesetzt werden? Oder gar verbindliche Selbstverpflichtungen?
All diese Lösungsansätze haben eins gemein: Sie sehen die VerbraucherInnen als (Ziel-)Objekt – entweder einer bestimmten Politik oder der Prozenten und des Handels – nicht aber als selbstbewusst oder gar selbständig handelndes Subjekt.
These 1: VerbraucherIn ist handelndes Subjekt gesellschaftlicher Veränderung, nicht passives Objekt
Die VerbraucherInnen verlassen zunehmend ihre Position als passive Zielgruppe, die bitteschön das kaufen soll, was die Wirtschaft ihnen verkaufen will. Stattdessen nehmen sie mehr und mehr sehr bewusst und lenkend am Marktgeschehen teil.
Das fängt damit an, dass sie in Massen ein neues Produkt wie E10 verweigern, wenn es nicht überzeugt – selbst wenn es billiger angeboten wird als der herkömmliche Sprit. Beim strategischen Konsum, der politischen Form der Marktlenkung, erkundigen Verbraucher sich sehr genau, wie Produkte erzeugt werden, unter welchen Arbeitsbedingungen Dienstleistungen erbracht werden und welche Wirkung welches Kaufverhalten hat. So können die VerbraucherInnen Produkte aus Kinderarbeit vom Markt verbannen (Teppiche, Fußbälle), ökologische oder gesundheitliche Schweinereien an den Pranger stellen (Shell, Nestlé), gesellschaftlich nicht gewollte Produkte aus den Regalen halten (Genfood) oder gewünschte Produktionsformen unterstützen (Bioboom).
Letztlich findet eine Abstimmung mit dem Einkaufswagen statt. Häufig lässt sich dabei sogar Geld sparen, wie beim Kauf energieeffizienter Geräte oder Autos. So wird politische wirksames Konsumverhalten zur win-win-win-Aktion: Man fühlt sich gut (politisch korrekt), man bewirkt was (Klimaschutz) und man spart Geld. Doch auch jenseits solch rational kalkulierender Motivlagen findet unter einem Teil der VerbraucherInnen längst auch eine ethische Debatte über den eigenen Lebensstil statt. Dabei stehen Fragen nach einem verantwortlichen Konsumverhalten etwa durch weniger Flugreisen, Autofahrten oder Fleischverzicht im Vordergrund. Hier kann auch die Diskussion über einen neuen Indikator für den gesellschaftlichen Wohlstand jenseits des wachstumsbasierten Bruttoinlandsprodukts ansetzen.
Am besten kann man den Einfluss der VerbraucherInnen auf dem Lebensmittelmarkt beobachten. Obwohl der Anteil der Lebensmittelkosten an den Haushaltsausgaben in den letzten 60 Jahren in Deutschland von über 50% auf deutlich unter 15% gesunken ist, sind Lebensmittel nach wie vor ein führendes gesellschaftliches und mediales Thema. Kochsendungen flimmern auf allen Kanälen, Lebensmittelskandale schaffen es immer auf die Titelseiten…. Hier können die VerbraucherInnen auch ihre größten politischen Erfolge feiern: Sie sind es, die bis heute dafür sorgen, dass kein pflanzliches Genfood in unseren Supermärkten angeboten wird. Sie haben Eier aus Käfighaltung, wenn sie überhaupt noch angeboten werden, zur Bückware gemacht. Und sie haben den Handel mit ökologisch erzeugten Lebensmitteln und fair gehandelten Produkten zu den Boombranchen im Lebensmittelgeschäft gemacht.
Und sage keiner, das wäre alles unpolitisch. Über 20.000 Menschen, die im Januar 2011 für eine andere, nachhaltigere Lebensmittelproduktion auf die Straße gegangen sind, beweisen das Gegenteil. Nachhaltiger Konsum ist also auch ein Mittel der Politisierung.
2. These: Vorsicht vor Risiken und Nebenwirkungen bei der Verbraucherpolitik
Aber Achtung, bevor wir in Euphorie über die VerbraucherInnen als die neuen WeltverbesserInnen ausbrechen: Auch Verbraucher-Politik – also die Politik durch Konsum – kann erhebliche Risiken und Nebenwirkungen haben.
Durch unkritisches Konsumverhalten und eingebunden in ein ungebremstes Wirtschaftswachstum können die schönsten Effizienz- und Einsparwirkungen durch Reboundeffekte wieder zunichte gemacht werden. Hab ich durch mein sparsames Auto genug gespart (Geld, Ressourcen- und Klimaverbrauch), kann ich mir ja – guten Gewissens – einen Zweitwagen leisten oder mal eben nach New York in den Kurzurlaub fliegen. Es reicht eben nicht, nur andere Produkte zu konsumieren. Auch Konsummuster müssen sich ändern.
Außerdem kann auch ein verbrauchergesteuerter Markt sozial blind sein. Während die relativ wohlhabenden, ökologisch bewussten Lohas wegen ihres Lebensstils unter dem Strich mehr Ressourcen verbrauchen als Hartz-IV-Empfänger, tun sich Markt und Politik schwer, Mechanismen zu entwickeln, die ökologisch produzierte Produkte auch für Arme erschwinglich machen.
3. These: Verbraucherpolitik benötigt die Hilfe einer aktiven Verbraucherpolitik
Wenn die VerbraucherInnen jetzt selber den gesellschaftlichen Fortschritt machen: Sind gewählte Politik und Wirtschaft jetzt aus ihrer Verantwortung entlassen? Nein, im Gegenteil. Jetzt die VerbraucherInnen allein zu lassen, wäre unverantwortlich und politisch naiv.
Es muss insbesondere Rolle der Grünen sein, durch eine aktive Verbraucherpolitik die richtigen Rahmenbedingungen herzustellen, damit Verbraucher durch ihr Marktverhalten gesellschaftliche Fortschritte bewirken können.
Die wichtigsten Maßnahmen, bei denen Politik – ganz klassisch mit Gesetzen und fiskalischen Steuerungsmaßnahmen – in der Verantwortung ist, lassen sich unter folgenden Stichpunkten zusammenfassen:
Schützen: Überall, wo Gesundheitsgefahren oder Abzocke drohen, ist es Aufgabe des Staates, seine BürgerInnen zu schützen. Das gilt in besonderer Weise für den Schutz vor Greenwashing.
Transparenz und Information: Behörde und Wirtschaft müssen zu größtmöglicher Transparenz verpflichtet werden, damit aufgeklärte VerbraucherInnen bewusst entscheiden können. Es muss endlich Schluss damit sein, dass Verbraucherschutz für die schwarz-gelbe Regierung heißen darf, die Wirtschaft vor den VerbraucherInnen zu schützen.
Siegel: Die VerbraucherInnen müssen Siegeln vertrauen können. Deshalb brauchen wir ein staatlich garantiertes Nachhaltigkeitssiegel.
Preise, die die Wahrheit sagen: Eine gerechte – auch generationengerechte – Steuer- und Abgabenpolitik muss dafür sorgen, dass sich in Preisen von Produkten und Dienstleistungen die gesamten gesellschaftlichen Kosten widerspiegeln.
Eine solche Politik kann bewirken, dass VerbraucherInnen wesentliche und konstruktive Träger des notwendigen gesellschaftlichen Wandels werden.
In dem Workshop auf der Zukunftskonferenz wollen wir diese Themen anhand folgender Leitfragen diskutieren:
- Soll die Politik (z.B. über aktive Preis- und Steuerpolitik) das Konsumverhalten der Menschen weiter steuern? Wenn ja wie? Und ist ein solches Vorgehen mit dem grünen Grundwert der Selbstbestimmung in Einklang zu bringen?
- Wie kann mit einer wachstumskritischen Verbraucherpolitik ein nachhaltiger gesellschaftlicher Wohlstand gesichert werden und wie lassen sich dabei Reboundeffekte vermeiden?
- Wie schaffen wir auch für sozial Schwache Zugänge zu einem nachhaltigen Lebensstil?














Gastkommentar
Zur Frage 1:
Die Frage suggeriert, dass Menschen selbstbestimmt konsumieren. Die psychologische und soziologische Konsumforschung zeigt, dass es mit der Selbststeuerung beim “Haben-Wollen” nicht weit her ist. Vier Faktoren einer Konsumentscheidung bewegen sich auf einem Kontinuum (Nach Wolf, Moser 2007:48): 1.) Rationalität des Bedürfnisses vs. unklare Bedürfnisse 2.) Wissen um relevante Alternativen vs. Informationsdefizite 3.) Korrekte Faktenwahrnehmung vs. mangelndes Verständnis, persönl. Wünsche, Erwartungen, 4.) Rationale Informationsverarbeitung vs. mangelnde Kompetenzen, Denkroutinen, Wunschdenken, Werthaltungen, Emotionen.
Außerdem stoße ich immer wieder auf die Behauptungen, der Mensch sei „halt egoistisch“ und „will haben, was er kriegen kann“. Ich vermute, das ist weit verbreitet.
Einerseits sagt uns die menschliche Natur, dass Besitz Sicherheit bedeutet. Was sicherlich auch gut ist. Andererseits folgen wir bekanntlich keinem „Trieb-Programm“, sondern sind kulturell bzw. durch die (nie endende) Sozialisation geprägt. Wie groß die individuelle Spannbreite an Verhaltensweisen und (Wert-)Orientierungen ist (u.a. materiell vs. immateriell) ist bekannt; obschon gerade in den weltpolitsch- und hinsichtlich ihres „ecological impacts“ einflussreichen Kulturkreisen der materielle Typ überwiegt.
Warum ich das soweit ausführe? Um weg vom Wachstumsfetischismus (leider auch bei vielen Grünen) zu kommen, bräuchte es nicht weniger als eines gesamtgesellschaftlichen Umdenkens und Umlernens, das jedem mehr oder weniger (eher mehr…) schwer fallen wird. U.a., weil viele Synapsen zerstört- (um einmal neurobiologisch zu sprechen) und sehr viele Routinen verändert werden müssten… Dieses Mehr-Haben-Wollen, das zugleich positiver Freiheit und Selbstentfaltung im Weg steht, ist so tief in uns verankert… – es bedürfte eines großen und von Einigkeit geprägten politischen Kraftakts (also “ja!” zur politischen Einflussnahme in jeder Hinsicht – kommunikativ, besonnen-klug, auch provokativ, legislativ usw.), um daran etwas grundlegend zu verändern. Allerdings ist wahrscheinlicher ist, dass der Leidensdruck noch viel höher werden muss. So ein havariertes AKW, ein Grad Temperaturanstieg usw. – das ist doch nichts…
Ein praktischer Beitrag zur Diskussion :
Wir gehen davon aus, dass der Verbraucher ein handelndes Subjekt ist. Gleichzeitig denken wir aber auch, dass ein gewisses Angebot an nachhaltigen Konsummodellen geben muss, die sich ein neues wirtschaftliches Leitparadigma zum Ziel machen. Diese innovativen Kosumangebote können dann auf die Bedürfnisse verantwortungsbewusster Konsumenten antworten.
Wir haben einen Adventskalender anstatt mit Schokolade mit guten Taten gefüllt und versuchen damit ein neues Angebot für nachhaltigen Adventskonsum zu schaffen und zu einer Veränderung des wirtschaftlichen Leitparadigmas beizutragen.
Den Adventskalender kann man unter http://www.24gutetaten.de bestellen.
Nehmen wir einfach mal an, dass jeder Konsument fähig ist sinnvolle Entscheidungen zu treffen, sofern er ausreichend informiert ist. Wie destillieren wir die gewaltige Informationsmenge die bei Konsumgütern anfällt in etwas, was der Konsument verstehen und bewerten kann?
Ich glaube, dass Produktkennzeichnungen alleine nicht ausreichend sind. Man kann nur kennzeichnen was man weiß (und somit z.B. Gefahren ausschließen), aber nicht was nach derzeitigem Wissensstand wahrscheinlich ist (“Transfette sind wahrscheinlich schädlich!”).
Wir brauchen eine Informationskultur, die der Bevölkerung ein angemessenes Verständnis von Zusammenhängen vermittelt. Internetportale, Infosendungen, eine öffentliche Diskussion über die Bedeutung von Nahrung… Wenn dem Konsument das klar ist (“ess dies, und es kostet dich dieses und jenes, bringt dir dagegen aber das”), kommen wir irgendwann zu einem Punkt wo sich ganz automatisch nachhaltiges Denken formen wird.
So viel Vertrauen sollten wir in den Konsumenten haben.
1. Wir als Biolandwirte staunen immer wieder über die Preise konventioneller Lebensmittel in Discountern, bei uns kostet die Kolrabi praktisch das vierfache. Ich finde alle konventionellen Landwirte sollten für den Schaden an der Umwelt (Bienen, Grundwasser…), den sie mit ihrer Produktionsweise anrichten einen Ausgleich bezahlen oder deutlich weniger Subventionen erhalten. Umweltschädliches verhalten soll sich nicht mehr lohnen und die Preise sollten nicht auf kosten “anderer” so niedrig sein können.
2. Bei uns bekommen sozial Schwächere die Möglichkeit über Tauschring einzukaufen. Also eine Dienstleistung in Gemüse zu tauschen.
zu Frage 1) steuern in den Sinne, dass die konventionelle Nahrungsmittelindustrie nicht durch falsche Agarsubventionen oder andere Gelder und Unterstützungen “billig” gemacht wird. Alle Kosten müssen auch bei den industr. Lebensmitteln mit in den Preis, auch die Kosten, die die langfristigen Umweltprobleme durch kontaminierte Gülle etc. berücksichtigen. Dann zeigt sich nämlich, dass BIO nicht teurer sondern günstiger ist. Steuern auch damit, dass ganz klar dargestellt werden soll, wie tatsächlich Industriefleisch, – Mich,- gemüse etc. hergestellt wird. EU-Biozeichen abschaffen. Diese Art der Tierhaltung hat mit BIO nichts zu tun.
zu 2) Sicherung, in dem man schon bei ökologischer Wirtschaftsweise in jedem Sektor Folgekosten minimiert. Die in Deutschland hergestellten Industrieprodukte sind teurer als die asiatischen, aber auch besser und damit gefragt. Das wird auch eine Einbeziehung der Umweltkosten nicht ändern. Arbeitsplätze werden bleiben. Lebensmittel aus dem nicht EU-Ausland (Spargel aus Südamerika) müssen teurer werden. Und auch für dt. Lebensmittel könnte mehr bezahlt werden, wenn sauber produziert sind. Wie o. g. unter 15% des Einkommens. Sie sind in EU-Vergleich sowieso besonders billig. Reboundeffekt vermeiden durch Aufklärung, Aufklärung und Aufklärung. Der wissende und mündige Bürger wird sich entsprechend verhalten.#
zu 3) ist der sozial schwache ausgeschlossen? Nein, auch er kann aus frischen Lebensmitteln gutes Essen günstig kochen. Auch er kann, vielleicht auch subventioniert, öffentliche Verkehrsmittel benutzen. Und bei einer Einführung eines allg. Mindestlohns und einer entsprechenden Anpassung der Hartz 4 Sätze (Achtung! Wofür wird die Erhöhung verbaucht) sind auch höher Preise zu verkraften.
Gegenfinanzierung? Abschaffung der Agrarsubventionen für agrarindutrielle Produkte, 120 EUR Autobahnvigniette pro Jahr, Radikale Verkleinerung bzw. Abschaffung der Bundeswehr, höhere Steuern auf hohe Einkommen (ab EUR 150T), Luxussteuer (Porsche, großer Flachbildferneher, Schmuck, Villa etc)
Meine persönliche Meinung.
Nett. Und irgendwie harmlos.
Die Externalisierung der Umweltkosten ist genau das, was dafür sorgt, das “Bio für Alle” oder wie auch immer es beworben wird, so schnell nichts wird. Niemand kann jemandem mit wenig Geld in der Tasche vorwerfen, dass er kein Bio kauft. Ziel muss es sein, dass vernünftige Steuern/Abgaben gezahlt werden. Diese sollten sich am Umwelteinfluss orientieren, nur so ist Nachhaltigkeit möglich. Der Preisvergleich Bio/Ag(g)ro sieht dann schnell anders aus…
Ehrlicherweise müsste man aber beim Thema Bioboom auch Faktoren wie den Flächenverbrauch mit berücksichtigen. Wenn es möglich ist, dies in Kosten umzusetzen (welche auch nicht externalisiert werden sollten), dann könnte Bio auch wieder anders dastehen.
Ich möchte, das sich die Grünen ganz deutlich und mit Nachdruck dafür einsetzen, dass endlich die Massentierhaltung abgeschafft wird. Hauptsächlich zum Wohle der Tiere, zum zweiten zum Wohle der Menschen ( gequältes, krankes Fleisch kann nicht gesund sein !). Was bei uns in den wer-weiß-nicht wievielen tausend Lagerqualzuchthallen abgeht, entbehrt jeder Ethik und Moral. Es hilft nichts: die Öffentlichkeit muss noch viel massiver aufgeklärt werden, mit aufschreckenden Bildern zugeschüttet werden, bis es endlich in die Köpfe/ Herzen der Menschen eindringt — Scham / Mitgefühl. Den Schock, zu sagen, das will ich nicht mehr mitmachen DA solltet ihr mal ansetzen. Und die Subventionen dafür als Belohnung streichen. Statt dessen sollten kleine landwirtschaftliche Höfe viel mehr finanzielle Hilfe erhalten, 1. Tierschutzgesetz ohne “Schlupflöcher ” zugunsen der Tiere verbessern 2.ständige nicht angekündigte Kontrollen der Agrarfabriken, wg. Pkt. 1
3. keine Genehmigung für neue Hühner/Puten/ Schweine- etc.-Betriebe 4. viel mehr Öffentlichkeitsarbeit für Fleisch-/Fischverzicht. Der letzte Punkt ist natürlich der wichtigste, ohne Nachfrage kein Angebot.
Das sind die Dinge, die ich von dieser politischen Partei erwarte, denn Menschlichkeit beginnt beim Tier.
Nachhaltiger Konsum fuer alle ist eine sehr gute Sache!! Ich wundere mich jedoch, dass innerhalb der zumindest urspruenglich deutlich links verorteten Partei der Gruenen nur am Rande mitdiskuttiert wird, dass dazu zuert “KONSUM FUER ALLE” ein wichtige Voraussetzung ist. Wenn wir nicht jeden Buerger, der von den Gruenen als muendig aufgefasst wird, zuerst in die Lage versetzen ueberhaupt ausreichend zu konsumieren, kann er auch schwierig nachhaltig konsumieren. Die Frage ob Biomarkt oder Aldi ist fuer die Mehrheit der Bevoelkerung doch eine Preisfrage und eben keine Ethikfrage.
Diese Konsummacht sollte also den Buergern durch gruene Politik vor allem erstmal geschaffen werden. Zusaetzlich sollten wir als Gruene mittdenken, das fuer Nachhaltigkeit, also fuer die Erhaltung von Gebrauchsguetern auch Freizeit eine grosse Rolle spielt. Solange neue Gueter aus China guenstiger zu erwerben sind als alte zu erneuern und zu reparieren sind, spielt auch hier wieder ein grundsaetzliches Missverhaeltniss auf dem Konsummarkt eine Rolle.
Also wenn nachhaltiger Konsum fuer alle gefordert wird, dann sollten Konzepte wie das bedingungslose Grundeinkommen und eine Neukonzipierung der weitgehend veralteten Messgroesse BIP, wie das zurzeit in Schleswig Holstein gemacht wird, in den Vordergrund gerueckt werden.
Als weiterfuehrende Schritte halte ich die hier gefuehrte Debatte dann als sehr sinnvoll.
Das ist etwas zu einfach und eher ein altlinker Reflex. Die Gleichung “Aldi-Kunde = arm” stimmt so sicherlich schon einmal nicht. Sonst sähen Aldi-Parkplätze am Samstag sicherlich anders aus.
Daher ist in einem insgesamt reichen Land anderer, nachhaltiger Konsum nicht vorrangig ein soziales Problem (was nicht heißt, dass es gar keins ist). Vielmehr ist es in erster Linie ein Problem falscher Prioritäten in den täglichen Konsummustern. Diese werden durch ein Grundeinkommen allein sicherlich nicht verändert. Es genügt eben nicht, allen mehr Geld zu geben, dann werden sie sich schon so verhalten, wie wir uns das vorstellen.
Wir brauchen einen Bewusstseinswandel in punkto Ernährung. Das kann und sollte der Staat sicherlich durch Information fördern (vor allem die Bildungspolitik ist gefragt), aber es gehört auch dazu, Preisstrukturen zu verändern, um so Kaufverhalten zu beeinflussen. Die Punkte sind genannt: keine Subventionierung nicht-nachhaltiger Produktion zum Beispiel, oder die Internalisierung externer Kosten. Das sind ja alles keine neuen Instrumente.
Zitat: Marion Overbeck
“Es hilft nichts: die Öffentlichkeit muss noch viel massiver aufgeklärt werden, mit aufschreckenden Bildern zugeschüttet werden, bis es endlich in die Köpfe/ Herzen der Menschen eindringt — Scham / Mitgefühl”
Erst wird es gesehen, dann übersehen, was soll das bringen?
Wenn man dann diesen Gedankengang weiterknüpft, müsste dann auch auf jedem PKW/LKW/Tranposter etc. ein Aufkleber sein “Autofahren kann zu tödlichen Unfällen fürhren” mit einem Bild eines Verkehrstoten, oder Fliegen kann zu Flugzeugkatastrophen führen. Selbst Fahrradfahren kann gefährlich sein, wenn er/sie von einem Autofahren angefahren werden. Am Ende gibt es überall Aufklärung und trotzdem schaut keiner mehr hin.
Im Tierschutz wäre eine bessere Aufklärung gut, besonders wenn wieder irgendwelche “Züchter” Hunde, Katzen oder andere Kleintiere aus völlig verwahrlosten Gehegen, Kellerräumen usw. verkaufen wollen. Hier sollten die Strafen 3 mal so hoch sein, mehr Kontrollen durchgeführt werden, unangemeldet natürlich und die schwarzen Schafe irgendwie auch öffentlich angeprangert werden.
Ein Tierschutzgesetz schreibt ja wohl auch artgereichte Haltung von Haustieren vor, selbstverständlich muss auch auf diesem Gebiet die Öffentlichkeit noch mehr sensibilisiert werden und bei Verstoß den “Halter ” sofrot anzeigen. Da Tiere ebenso Schmerzen empfinden wie Menschen,kann meinetwegen das Strafmass genaus hoch ausfallen.
Mir scheint der Eingangsbeitrag etwas geglättet zu sein im Sinne einer Zweiteilung “Kritische, selbstbewusste Verbraucher vs. abwartender, unfähiger Staat”. Die geringe Wertschätzung für Lebensmittel kommt in der zitierten Prozentzahl (Anteil der Ausgaben von Lebensmitteln von 50 % auf 15 % gesunken) recht treffend zum Ausdruck und damit die Umwertung von Werten in einem Sinne, die wir uns gerade nicht vorstellen.
Das war ein jahrzehntelanger Prozess des schleichenden Werteverfalls, was dasjenige angeht, was von der Hand in den Mund geht und andererseits der Überbewertung, was von der Hand in den Tank und von der Hand zu den technische Reglern geht.
Heute erscheint mir “das” Verbraucherverhalten reichlich zwiegespalten. Hier ein recht kritisches Verbraucherverhalten, wofür der stärkere Zugriff auf regionale und auf Bioprodukte spricht – raus aus dem Nischendasein -, dort im immer stärkeren Maße der Griff zum Billigsten des Billigen. Bei Verschwinden des Feldes dazwischen.
Auch die zitierten Käfig-Eier, die angeblich zur Bückware gehören, zählen dazu. Als Aldi die Dinger aus dem Sortiment nahm, der Preis pro Ei um gewiss nicht ruinöse 1 oder 2 Cent stieg, hielt Lidl bei und “die” Verbraucher gingen zu Lidl. Bis Aldi wieder zurückzog.
Es gibt für mich einen Weg jenseits dieser Glättung – die das eigene Verhalten 1 : 1 auf die Gesamtheit überträgt – und eines Fatalismus, dass alles recht aussichtslos sei, “die” Verbraucher doch nur Spielball raffinierter Werbekampagnen sei.
Für mich liegt er darin, positive Beispiele herauszustreichen, wegzukommen von den Konjunkturen der Erregung, die Menschen nur noch ratloser als ratlos macht und zu verdeutlichen, dass gute Qualität auch gutes Geld kostet.
Wer Wein für 1,50 € aus der Brikpackung kauft, bekommt entweder einen dicken Kopf oder das geht auf Kosten der Knochen von Menschen, wobei die Käufer in keinem einzigen Falle zu derartigen Hungerlöhnen arbeiten wollten. Das ist kein Vorwurf, das wäre Darstellung, welchen Preis wir an der Ladenkasse bezahlen und welchen Preis wir – individuell – ansonsten bereit sind, in Kauf zu nehmen.
Eine Frage puren Selbstverständnisses und es scheint mir seltsam, dass alles andere – der Standard der technischen Ausstattung bspw. – eher zum Selbstverständnis gehört, das Genannte aber nicht.
http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/religionen/1468262/
Da sind anscheinend schon einige weiter.
Weiter? Das Fazit ist doch auch in diesem Beitrag, dass für nachhaltigen Konsum erst einmal genügend Geld vorhanden sein muss. Außerdem werden nur Wege für die einzelnen Verbraucher aufgezeigt, nachhaltig zu konsumieren, nicht aber, was zum Beispiel der Staat tun kann oder wie man mehr Verbraucher davon überzeugen kann, den nachhaltigen Konsum überhaupt anzustreben.
Das Problem ist nur, dass du um die Nahrungsmittelsicherheit zu gewährleisten nicht alles komplett auf Bio umstellen kannst.
`Bio`ist zum Kampfbegriff geworden. Der Begriff “Bio” sagt erstmal gar nichts aus. Wenn dann spricht man in diesem Zusammenhang von öklologischer Landwirtschaft. Als Allheilmittel auf ökologische Fragen im Bezug auf Landwirtschaft und Konsum wurde der Begriff inflationär angewandt. Doch wie `Bio`sind Bio-Produkte, die aus China in die EU importiert werden denn wirklich?
Hallo zusammen,
ich möchte hier mal eine Querverbindung zum Thread ‘Globale Resourcengerechtigkeit’ machen da es dort auch um die Vereinbarkeit von Wachstum/Konsum und Nachhaltigkeit ging.
Der These:
“Letztlich muß ein auf immerwährendes Wachstum des materiellen Wohlstandes zielendes Wirtschaftsmodell am Ende scheitern, da unser Planet nicht mitwächst.”
Habe ich folgende Gegenthese entgegengesetzt:
Stimmt das wirklich? Mit Energie läßt sich wahnsinnig viel anstellen. Wäre also eine Welt vorstellbar in der erneuerbare Energien nachhaltige Energie im Überfluß zur Verfügung stellen? Dazu eine weitere Bewegung des materiellen Wohlstandes hin zu elektronischen Medien, Dienstleistungen und (energieintensivem) Recyling. Wäre damit vielleicht ein stetig wachsender Wohlstand doch mit Nachhaltigkeit vereinbar!?
Ich hoffe mal, dass das möglich ist. Denn selbst ein einfaches Aufholen im Lebensstandard in den BRIC und Entwicklungsländer mit unserem Resourcenverbrauch würde die Welt in ungekanntem Maß belasten. Und den Menschen in diesen Ländern einen höheren Lebensstandard vorzuenthalten ist auch nicht die richtige Antwort.
Es ist also unsere Aufgabe ein Modell zu entwickeln, zu realisieren und anderen vorzuleben, dass Wohlstand und Nachhaltigkeit vereint. Als erstes haben wir die Chance dieses mit der Energiewende zu tun. Als nächstes müssen wir das mit anderen Resourcen schaffen.
Wohlstand wird sicherlich in 50 Jahren anders definiert als heute. Dem Wohlstandswachstum einfach abzuschwören ist IMHO weder realistisch noch erstrebenswert.
Bin auf Eure Komentare gespannt!
mit sonnigen Grüßen
Jochen
Eine Anmerkung zu den BRIC-Staaten: Neben Brasilien, Russland, Indien und China gehört nun auch Südafrika zu der Staatengruppe, die sich seitdem BRICS nennt.
“Soll die Politik (z.B. über aktive Preis- und Steuerpolitik) das Konsumverhalten der Menschen weiter steuern? Wenn ja wie? Und ist ein solches Vorgehen mit dem grünen Grundwert der Selbstbestimmung in Einklang zu bringen?”
Das die Politik nicht steuern kann (oder will), sieht man doch schon die ganze Zeit, z. B. bei den Spritpreisen vor Ferien, die Strompreiserhöhungen und auch bei anderen Preisen. Die Wirtschaft muss nur etwas drohen und schon knickt die Politik ein. Die Wirtschaft kann es aber auch, weil es eben keine richtigen Alternativen gibt.
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“Wie kann mit einer wachstumskritischen Verbraucherpolitik ein nachhaltiger gesellschaftlicher Wohlstand gesichert werden und wie lassen sich dabei Reboundeffekte vermeiden?”
Wie wäre es damit?
“Jedem Mensch und jedem Tier soll eine Grundsicherung an gesunder Ernährung, medizinischen Leistungen und anderen Dingen des täglichen Bedarfs gewährleistet/gesichert werden.”
Dazu kann man ja einen Wert errechnen, der aber der Realität entsprechen sollte. (Nicht wie z. B. bei den Hartz IV-Sätzen).
Für die anderen Bedürfnisse (Auto, Reisen usw.) sollen Arbeitsplätze zu einem festgelegten Mindestlohn geschaffen werden, der nicht nur diese Bedarfe decken soll, sondern auch noch etwas zum sparen übrig lässt.
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“Wie schaffen wir auch für sozial Schwache Zugänge zu einem nachhaltigen Lebensstil?”
Im vorherigen Punkt wären dann auch die sozial Schwachen angesprochen. Zudem wäre auch der Tierschutz und andere Themen angesprochen.
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Was aber irgendwie fehlt, ist der Punkt des Konsumverhalten bei den Pharmaka. Die machen doch die meisten Geschäfte. Für jedes Wehwehchen eine Salbe oder Pille und zu viele springen darauf an.
Ich bin eher der Meinung, das durch die ganzen Salben und Pillen die körpereigene Abwehr geschwächt wird und es auch dewegen zu immer mehr Krankheitsfällen kommt.
Ein weiterer Punkt bei den immer weiter steigenden Erkrankungen der BürgerInnen ist auch die Gesellschaft. Ellbogenmentalität, jeder gegen jeden und das denken, das man “besser ist als der/die Andere”, das “Ich-denken”, wie auch Mobbing sind doch die größten Ursachen der (psychischen) Erkrankungen, die immer weiter um sich greift.
Das zu ändern wird wahrscheinlich die größte Aufgabe sein und auch sehr langwierig.
Zumindest meine Meinung dazu.
“Für die anderen Bedürfnisse (Auto, Reisen usw.) sollen Arbeitsplätze zu einem festgelegten Mindestlohn geschaffen werden, der nicht nur diese Bedarfe decken soll, sondern auch noch etwas zum sparen übrig lässt.” Das kann ja wohl nicht ernsthaft grüne Politik sein. Seit wann gibt es ein Grundrecht auf Autos? Dieser Satz zeigt das bereits weiter oben von mir angesprochene Problem. Solange die herrschenden Lebensstile und das damit einhergehende Konsumverhalten nicht nachhaltig sind, ist eine Sozialpolitik, die nur darauf setzt, allen mehr Geld zukommen zu lassen, im Effekt kontraproduktiv.
@ Stefan Dietrich
Hier ging es nicht um Grundrechte, sondern um Bedürfnisse jedes Einzelnen.
Zitat:
“Für die anderen Bedürfnisse…..”
Was eigentlich auch Nachvollziehbar sein sollte.
Vor gut vierzig Jahren, zu Zeiten meiner Berufsausbildung, grassierte die Parole des Konsumterrors, Bücher mit dem Titel “Die geheimen Verführer” fanden schon seinerzeit reichlich Absatz und im bloßen Gegenhalten gegen jene, die uns doch nur den Kopf verdrehen würden, ergingen sich viele, all zu viele in Galligkeit. Galligkeit, die nicht dauerhaft durchzuhalten war oder nur von jenen, die dann den Abtrünningen Verrat an der gerechten Sache vorwarfen.
Mit bloßer Kritik und bloßem Gegenhalten ist m. E. kein Blumentopf zu gewinnen, schon aber mit wortwörtlichen offenen Infragestellungen, was denn da wächst und ob sich eine auf´s Maximum ausgerichtete und getrimmte Gesellschaft nicht unzureichender und falscher, also schönfärberischer Natur-Analogien bedient.
Von Wachstum kann da m. E. keine Rede sein, wo keinerlei Wurzel und Verwurzelung erkennbar ist und das ist nicht nur eine akademische, sondern eine recht anschauliche Frage. Wo die Unternehmenssitze und Orte der Aktivitäten wechseln wie die Briefkastenfirmen und bei Menschen das Unterhemd, kann da von Wurzel und Wachstum die Rede sein oder nur von der Vergrößerung der abstrakten Zahl?
Die Straße ist mehr als nur die Fahrbahn, worauf Menschen, die sich ausschließlich auf das Auto festlegten, sie herabdefinieren wollten – was ihnen über Jahrzehnte ja auch gelungen ist – …
… und mit einer Neuaneignung eines erweiterten Straßenbegriffs rücken dann auch wieder Menschen mit dem Rad, zu Fuß, mit dem Rollstuhl und Menschen per Straßenbahn und Bus ins Blickfeld.
Straße ist auch da, wo überhaupt nicht gefahren wird und jede Straßenmusik und jedes Straßentheater, was in Fußgängerbereichen, nicht aber auf 6-spurigen Autofahrbahnen zur Aufführung gelangt, kündet von diesem Straßenbegriff.
So kann es auch mit dem Begriff des Wachstums sein. Es ist und kann kein Wachstum sein, wo es nur um die bloße Vergrößerung der Zahl geht und Menschen, die lange an einem Ort sind, dort auch ihre geschäftlichen Aktivitäten walten lassen, gar nicht daran denken, von da wegzugehen und auch auf Menschen dort bauen, die wissen, was wirkliches Wachstum bedeutet.
Verbraucher, Konsumenten könnten es auch wissen. Wenn Wachstum nicht bedeutet, den Fernseher bloß durch einen mit stetig größerem Bildschirm zu ersetzen, es nicht nur darum geht, die Computerleistung von 2 oder 3 Gigabite auf 20, 50 oder 1 000 hochzuschrauben, wovon denn auch selbstverständlich alle die Gebrauch machen, die ihre Angelegenheit als so wichtig ansehen, dass sie meinen, auf dem neuesten technischen Stand sein zu müssen. Also auch Bündnis 90/Die Grünen und Greenpeace.
Da kann es m. E. auch niemals um Vorwürfe und schon gar nicht um Schuldvorwürfe gehen, sondern um die Frage, die wir uns selbst stellen könnten, wie weit wir denn mitspielen, behaupten, zu etwas gezwungen zu sein, was doch überaus freiwillig geschieht: Um in der Konkurrenz keinen Nachteil zu erleiden, werden zwei Seelen in einer Brust billigend in Kauf genommen.
Es kann nicht darum gehen, sich einen Lendenschurz umzubinden und Verhältnisse zurückzudrehen, auch sind wir glücklicherweise davon abgekommen, anderen nur das Auto ausreden zu wollen. Die Franzosen haben von Staats wegen in ihren größeren Städten die Straßenbahn wieder eingeführt und sie wirbt für sich selbst durch hervorragendes Design, also hohe Attraktivität inbegriffen des Gesamtsystems von Fahrwegen und der ganzen Bandbreite der Möglichkeiten individuellen Bezahlens.
Warum sind wir Deutschen immer noch in Resten so gallig, versuchen anderen etwas auszureden, “Freiheit ist Einsicht in die Notwendigkeit” schrieb Marx und das war das, was die DDR offiziellerweise verkündete. Aus der Not, die schließlich nur gewendet werden sollte, kamen die prompt – gerade wegen der selbstorganisierten Spartanität der Mittel – auch gar nicht mehr heraus.
Anders wie gesagt die französischen Straßenbahnen, die seit gut einem Viertel Jahrhundert auch hierzulande den Trend zur Straßenbahn im nennenswertem Maße auslösten. – Warum werden Einheits-Windräder, warum wird ästhetische Magerkost, geleitet und getrimmt auf das Optimum der Effizienz, fast schon wahllos in die Landschaft hineingestellt und es versäumt, mit wirklich ästhetisch ansprechenden und schönen Lösungen für die Windkraft zu werben und sie zu einem Selbstgänger zu machen?
Um ein effekthaschendes Design, was morgen bereits Schnee von gestern ist und so lange Wirkung erzielt, wie ein anderer noch nichts effekthaschenderes zustandegebracht hat, braucht es nicht gehen. Das ist nicht beständig. Gute, dauerhaft ansprechende Gestaltung vollzieht sich kurzlebiger Moden ebenso wie dem zu Recht untergegangenen Spartanischen.
Das könnte sich auch auf Konsumartikel beziehen. Als Utopie. Und ich glaube, das ist gar nicht mal so unwahrscheinlich.
“… es versäumt, mit wirklich ästhetisch ansprechenden und schönen Lösungen für die Windkraft zu werben und sie zu einem Selbstgänger zu machen? ”
Mit Strommasten gibt es da schon Anstrengungen. Siehe z.B.
http://www.wired.com/wiredscience/2010/08/human-electrical-pylons
http://wissen.spiegel.de/wissen/image/show.html?did=78313623&aref=image048/2011/04/30/CO-SP-2011-018-0046-0046.PDF&thumb=false
Gruß
Jochen
Jochen Marwede,
Danke für die Beispiele!
Und wer an den unendlich vielen Varianten von Straßenbahnstrecken interessiert ist, der schaue nach Frankreich und in eine Broschüre des Münchner Verkehrsverbundes.
Herzlichen Gruß
Helmut Krüger
Das like Button Plugin waere stark. Oder ist mir der Button entgangen?
Wer über Konsumsteuerung nachdenkt, sollte sich tatsächlich auch alle Alternativen genau ansehen. Was sich mit dem steigenden Konsum entwickelt hat, ist beispielsweise der “Second Hand Markt”, was mit der alternativen Stromerzeugung auch bewusst wurde, ist die Strom-Effizienz.
Das bewusste Zurückdrehen der Konsumschraube ist auch ein Weg der gesellschaftlichen Selbsterfahrung.
“Wachstum” bedeutet nicht nur quantitativ immer mehr. Lohas konsumieren mit dem Gewissen, das “Bessere” zu kaufen, immer noch sehr viel. Kann es das sein? “Wachstum” kann auch bedeuten, dass wir im Umgang mit unseren Ressourcen klüger werden.
Ich denke, es ist eine Aufgabe der Politik, über falsches Konsumverhalten aufzuklären. Wir stehen an der Schwelle zum Klimawandel, und die gemeinschaftliche Last, die wir damit zu schultern hätten, wiegt so schwer, dass sie die Beeinflussung der Wirtschaft hin zu mehr Ökologie und Nachhaltigkeit rechtfertigt.
Nur verwechselt “die Politik” manchmal Aufklärung mit Bevormundung.
Gleichzeitig will sie aber auch ein “selbstbestimmtes Leben” garantieren.
Passt irgendwie nicht zusammen.
@Mo
Studien bestätigen Potential von Öko+Fair für die Ernährungssicherung :
http://www.naturland.de/kampagne_oeko_fair.html
http://literatur.vti.bund.de/digbib_extern/zi031616.pdf
Merkwürdigerweise scheint sich die Diskussion auf Lebensmittel und Strassenbahn zu fokusieren. Das ist sicher sehr konkret aber ich möchte mal kurz zum Titel und dem Allgemeinen zurück. Konsumieren ist ja Abstimmen mit dem Geldbeutel. Mag er nun voll oder fast leer sein. Und so stellt das Preisniveau eines Produktes auch eine Art Wertschätzungsindex dar. In D. sind konventionelle Lebensmittel so billig weil ein großer Teil der Bevölkerung nicht mehr dafür ausgeben möchte, sondern das Geld anders verwendet (Reise, größere TVs, Speichererweiterung). In D. sind anscheinened anders als in Frankreich Lebensmittel nicht so wichtig. Also wäre die Frage ob sich nachhaltige Lebensmittel tatsächlich so billig herstellen lassen, daß sie akzeptiert werden. Deshalb ist die Titelfrage für mich die Frage wie wird eigentlich Produziert (und wo). Wie bekommen wir Nachhaltigkeit in dir Produktion und verhindern/bestrafen (meint besteuern) nicht-nachhaltige Produktion. Wir sollten auf den Angebotspreis einwirken und hoffen das unsere Maßnahmen für den Verbraucher zu einer Auswahl ausschließlich nachhaltiger Produkte führt. Das sind wenigstens “nachhaltige” Preise, heisst allerdings nicht, daß er Lebensmittel eher kauft als TVs oder Reisen.
Hallo Rudolf,
was du vorschlägst ist die vielgerühmte Internalisierung von externen Kosten. Umweltverbrauch muß also in die Produkte eingepreist werden. Wenn man dies konsequent umsetzt, bekommt man ein rationales Mittel, um Nachhaltigkeit in Komsumentscheidungen einfliessen zu lassen.
Zum Teil wird das ja schon massiv gemacht (siehe Tabaksteuer, Kraftstoffsteuern, etc.) Für Energieverbrauch ist das auch relativ einfach möglich. Man kann den CO2 Ausstoß mit einer CO2 Steuer belasten und diese so hoch setzten, wie man die Schäden durch CO2 Ausstoß einschätzt.
Für anderen Resourcenverbrauch sowie für andere Natur-, und Sozialschäden finde ich das dann schon schwieriger. Wie bewertet man die Störung eines Schweinswals durch eine Offshore Windkraftanlage? Wie teuer ist die (zeitweise?) Landschaftszertörung durch einen fortschreitenden Tagebau?
Eine (lösbare) Schwierigkeit ist die internationale Konkurenzfähigkeit. Für Importe kann man das über einen entsprechenden Importzoll machen. Importe von Staaten, die Umweltfolgen ungenügend einpreisen, werden dann halt höher belastet. Probleme gibts beim Export. Soll man da deutschen Firmen die Belastung wieder vergüten, um konkurenzfähig zu bleiben?
Sicherlich kann man aus dieser Idee ein bürokratisches Monster machen. Aber als Prinzip ist es mir sympathischer als eine Definition was “falsches Konsumverhalten” ist, über das von staatlicher Seite “aufzuklären” ist. Wer entscheidet denn, was falsch ist … ?
Gruß
Jochen
Zur Frage: Soll die Politik (z.B. über aktive Preis- und Steuerpolitik) das Konsumverhalten der Menschen weiter steuern? Wenn ja wie? Und ist ein solches Vorgehen mit dem grünen Grundwert der Selbstbestimmung in Einklang zu bringen?
Natürlich sollte sie! Die Politik reguliert in so ziemlich allen Bereichen des täglichen Lebens und ich sehe nicht, wieso Konsum hier eine Ausnahme sein sollte – gerade mit Blick auf die globalen und umweltpolitischen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert werden. Wichtig ist aber, dass diese Eingriffe sozial verträglich bleiben und bestimmte Gruppen nicht ausschließen.
Ich denke, eine derartige Politik kommt auch dem bewussten Verbraucher zugute. Denn im Gegenzug ist es doch für den Verbraucher – selbst bei noch so gutem Willen und großer Bereitschaft – unglaublich schwierig, die Produktionsbedingen und den kompletten Markt zu überschauen und wirklich nachhaltig zu konsumieren.
@ Rudolf und andere,
ein Wort zur angesprochenen Straßenbahn, auf die hier – zumindest meinerseits – einige Bemerkungen hingingen: Sie steht hier ja nicht als spezifisches Verkehrsmittel um irgendeiner Liebhaberei willen, sondern in diesem Zusammenhang als Zeichen und Synonym eines grundlegenden Umbruchs der Verkehrs in den großen Städten. Insofern könnten wir auch jedes anderes Beispiel nehmen, soweit sich denn so aussagekräftig eines fände.
Das Verkehrsmittel, was seit zweieinhalb Jahrzehnten wieder durch die Straßen der französischen Großstädte rollt und seit Mitte der 1980er Jahre auch wieder in Deutschland in Ausbau begriffen ist, ist technisch gesehen das Gleiche, was dreieinhalb Jahrzehnte lang auf das Abstellgleis geschoben ist.
Nicht die Städte sind größer geworden, auch sind Schienen und Oberleitung keine grundlegend anderen geworden, vielmehr hat sich die Sichtweise auf dieses Verkehrsmittel grundlegend geändert. Oberflächlich könnten wir dies als gewandeltes Image begreifen. Mehr noch können wir dies als entfalteten Sinn für Ästhetik begreifen, als das Hinkommen zu wirklich ansprechenden Lösungen. Eine recht schöne und anschauliche Darsellung dazu findet sich v. a. im Buch von Harald Jahn zur französischen Straßenbahn und der Wiedergeburt des urbanen Raumes.
Aufgebotene Zahlen und Statistiken mögen für Akademiker von Interesse sein, letzten Endes vergrößern sie nur den Widerspruch zwischen jenen, die mit endlosen Zahlenkolonnen bewaffnet ins Feld ziehen und vielen Bürgern, die sich nicht zu Unrecht in irgendeinerweise bevormundet fühlen.
Vergleichsweise ein größeres Problem der Grünen als irgendeiner anderen Partei.
Sicherlich lässt sich das geänderte Ausgabeverhalten der öffentlichen Hand – wie es bezüglich Nahverkehrslösungen hier angeführt wurde – nicht 1 : 1 auf ein geändertes Ausgabenverhalten von Privathaushalten übertragen. Eine verbindende Klammer von Beiden sind m. E. dennoch derartige Umbrüche, die “höher” sind als das bloß ängstliche Argument, dass Menschen nicht mehr zu zahlen bereit wären und daher eher etatistische als attraktive und wirklich ansprechende Lösungen anzubieten (pardon: anzuordnen) wären.
@ Melanie,
“Natürlich sollte sie! Die Politik reguliert in so ziemlich allen Bereichen des täglichen Lebens und ich sehe nicht, wieso Konsum hier eine Ausnahme sein sollte – gerade mit Blick auf die globalen und umweltpolitischen Herausforderungen, mit denen wir konfrontiert werden. Wichtig ist aber, dass diese Eingriffe sozial verträglich bleiben und bestimmte Gruppen nicht ausschließen.”
Ich finde auch, dass die (steuerliche) Belastung von weniger gewünschten (weil umwelt-, gesundheits- oder sozialschädlichen) Waren und Dienstleistungen ein gutes Mittel sind, Verhalten zu beeinflussen. Dies schafft auch den Spielraum erwünschtere Waren und Dienstleistungen zu entlasten (z.B. besonders umweltfreundliche Produkte, Arbeit!)
Schwierig finde ich dieses mit Sozialverträglichkeit zu vermischen. Sollten wir nicht vielmehr Konsumsteuerung und Sozialausgleich trennen? Wenn höhere Abgaben auf Energie insgesamt Sinn machen, dann sollte man sie einführen, und die Sozialverträglichkeit durch höhere Hartz 4 Sätze und Entlastung niedriger Einkommen (z.B. bei den Sozialabgaben) sozialverträglich machen. Da kommt dann auch wieder das Grundeinkommen ins Spiel. Wenn dieses künstlich erhöhte Kosten auf bestimmten Konsum einrechnet, kann die Steuerwirkung von solchen Konsumsteuern richtig greifen.
“… ist es doch für den Verbraucher – selbst bei noch so gutem Willen und großer Bereitschaft – unglaublich schwierig, die Produktionsbedingen und den kompletten Markt zu überschauen und wirklich nachhaltig zu konsumieren.”
Richtig, ich finde es unheimlich schwierig rauszufinden, was wirklich in einem Produkt steckt, ob es sozialverträglich produziert wurde, etc.
Da ist es Aufgabe des Staates für Transparenz und unabhängige Information zu sorgen. Dies beinhaltet z.B. Verbraucherberatung und zertifizierte Kennzeichnung (e.g. was ist ‘Bio’, Effizienzklassen für Haushaltsgeräte, etc.)
Fazit:
- Wir sollten Konsum mit (steuerlichen) Belastungen steuern.
- Wir sollten Konsumsteuerung und Sozialverträglichkeit trennen und mit jeweils unterschiedlichen Maßnahmen erreichen
- Aufgabe des Staates ist, für Transparenz und Ehrlichkeit im Markt sorgen
Gruß
Jochen
Hallo Jochen,
“Wenn höhere Abgaben auf Energie insgesamt Sinn machen, dann sollte man sie einführen, und die Sozialverträglichkeit durch höhere Hartz 4 Sätze und Entlastung niedriger Einkommen (z.B. bei den Sozialabgaben) sozialverträglich machen. Da kommt dann auch wieder das Grundeinkommen ins Spiel.” -> Da gebe ich dir vollkommen Recht und das habe ich auch gemeint. Ganz voneinander trennen lassen sich diese Sphären eben auch nicht, aber diesen Vorschlag finde ich schon sehr gut.
Schwieriger wird es meiner Ansicht nach beim Fleischkonsum. Wenn wir hier mit Steuern eingreifen, führt das ganz schnell dazu, dass sich bestimmte Schichten Fleisch nicht mehr leisten können und das fände ich sozial mehr als ungerecht. Ich glaube, in besonders gravierenden Fällen können nur noch Verbote greifen. Solche Bereiche müssen wir aber noch viel mehr identifizieren und Alternativen entwickeln.
Und ja: Der Staat muss für Transparenz und Ehrlichkeit im Markt sorgen. Und auch das ist schon eine wirklich schwierige Aufgabe…
Viele Grüße, Melanie
Merkwürdig das man immer nur auf das Eine kommt, höhere Belastungen und dann mit der Ausrede “Steuern senken”. Bisher war es immer so, das bei dieser Konstellation oft ein +/- 0 eher aber ein Munus für die Bürger heraus kam.
Warum denkt man mal nicht daran, bei den einzelnen Institutionen abzuspecken und zwar ganz Oben angefangen?
Hallo Frank,
das sehe ich sehr schwarz und weiß. Der Staat hat ein bestimmtes Ausgabenvolumen, dass er durch Einnahmen decken muß. An beiden Seiten muß gearbeitet werden! Aber z.B. eine sinnvolle Energiepreiserhöhung, die zu Sparsamkeit und Umweltschutz anregt, mit dem Argument zu torpedieren, dass das wieder ungerecht ist und man lieber woanders sparen soll, führt zum Stillstand. Daher sollte man auch die wichtige Arbeit an der Ausgabendisziplin unabhängig von gewünschten Steuerungsfunktionen beim Konsum machen.
Einfache, verständliche System sind gerecht, weil jeder sie verstehen und nachvollziehen kann. Bei den Ausgaben sehe ich daher auch eine ganz starke Verbindung mit Einfachheit und Transparenz, und damit Gerechtigkeit. Bei jeder Regelung sollte sich der Staat genau überlegen, ob das nicht auch einfacher geht, und ob der Vorgang wirklich notwendig ist. Und dabei geht es um die Resourcen beim Staat (Gesetzgebung, Verordnungne, Verwaltung, Gerichtsverfahren) UND die Resourcen in den Haushalten und Betrieben (Lernen von neuen Vorschriften, Verwaltung, Anfechtung wo es nicht klar oder ungerecht ist).
Beispiele:
- CO2 basierte KFZ Steuer: CO2 Ausstoß ist direkt proportional zum Kraftstoffverbrauch. Also weg mit der KFZ Steuer und ein paar cent drauf auf den Sprit. Wer ein dickes Auto fährt, rast oder einfach nur viel fährt wird mehr belastet, wer wenig fährt und dies mit einem sparsamen Auto tut weniger. Die gesamte Gesetzgebung, Verwaltung und Rechtsprechung rund um die KFZ Steuer kann man sich dann sparen! Will man dann bestimmte Technologien fördern (wie damals Kat, DPF oder jetzt e-Autos) kann man es mit einem direkten einmaligen Kaufzuschuß oder über einen verringerten MWSt-Satz tun (der wird sowieso schon verwaltet!)
- Bettensteuer: erst wird der Mehrwertsteuersatz für Hotelübernachtungen gesenkt, dann kommt die Bettensteuer, inklusive Gesetzgebung, Verwaltung und Gerichtsverfahren. Vollkommener Quatsch!
- LKW Maut: etwa ein Viertel der Einnahmen gehen in die Verwaltung. Stattdessen hätte man auch auf europäischer Ebene für Dieselsteuer Erhöhungen kämpfen können (Dieselsteuer wird sowieso schon eingezogen und verwaltet) und eine Transferzahlung für Transitländer einfordern können.
- Wer braucht das Bundesamt für das Brandweinwesen?
- Wieviele Mini-Gebühren und Abgaben gibt es, die kaum die Verwaltung wert sind?
- GEZ: Jeder muß doch irgendwann zahlen. Ausnahmen sind minimal. Weg mit GEZ Gebühren einschließlich dem ganzen Spionageaufwand und der Verwaltung und den öffentlich rechtlichen Rundfunk einfach aus Steuermitteln finanzieren.
Nur ein paar Beispiele. Wäre schön, wenn wir Grünen uns da mal an ein paar radikale Schritte ranwagen würden.
Aber der Drang zum Sparen ist trotzdem kein Argument gegen eine sinnvolle Konsumsteuerung durch Steuern!
Gruß
Jochen
Hallo Jochen,
Das mit der CO2- statt KfZ-Steuer war, glaube ich, schon mal ein Thema in der Politik. Hier könnte es allerdings Unwillen bei denen geben, die täglich länger zur Arbeit fahren müssen (und trotzdem wenig verdienen). Ein deutlicher Ausbau des ÖPNV und der Bahnangebote wäre da evtl ein Anfang. Allerdings fahren die (zur Zeit) nicht immer dann, wenn man sie braucht und sind oft teurer als wenn man selbst fährt. Mehr Angebote/Fahrten im ÖPNV/Bahn würde zu mehr Personal führen (was so gesehen eigentlich nicht mal so schlecht wäre betügl. Arbeitslosigkeit) aber die Kosten schlagen sich auch auf die Preise nieder. Zuschüsse vom Staat, damit die Preise möglichst Kundenfreundlich bleiben, würden keinen Einspareffekt beim Staat bringen. Wäre aber eine Lösung.
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Das mit der Hotelsteuer war wirklich Quatsch.
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Das mit den Verwaltungen stimmt, hier gäbe es evtl. Einsparpotential besonders bei den oberen und obersten Ebenen, da im Grunde ja die einfachen Angstellten die eigentliche Arbeit machen.
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GEZ:
Da müsste man das ganze Rundfunkrecht reformieren, denn meiner Meinung nach würden die Gebühren gegen den Wettbewerb verstoßen. Ist aber Ansichtssache.
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Was mich eher stört, sind die Bezüge und Gehälter der “bundeseigenen” Unternehmen wie z. B. der Rentenversicherungen usw.
Wenn man es so betrachtet, sind die Einnahmen eher doch eher “geliehenes Geld”, das die Versicherten den gesetzlichen Kassen “zur Verwahrung” geben, die bedienen sich aber von dem geliehenen Geld recht ordentlich z. B. bei den Vorstandsbezügen. Ob und was man hier machen könnte, kann ich nicht sagen, aber klar dürfte sein, das wenn man Geld als Rücklage z. B. für die Renten auf ein Sparkonto einer Bank anlegt, man dort wesentlich mehr herausbekommen würde, da dort weniger Verwaltungskosten anfallen.
Ich hoffe das war jetzt etwas verständlich.
Gruß
Frank
Hallo Frank,
“Hier könnte es allerdings Unwillen bei denen geben, die täglich länger zur Arbeit fahren müssen (und trotzdem wenig verdienen). ”
Da müssen wir uns mal entscheiden, ob wir die Fahrerei belasten wollen oder nicht. Ich denke ja!
Genau wegen solcher Argumente denke ich, dass die gezielte Steuerung von Konsum (Benzin/Diesel in diesem Fall) vom sozialen Ausgleich abgekoppelt werden sollte. Wenn wir also dem vielfahrenden Geringverdiener aushelfen wollen, sollten wir den Nachteil für diesen speziellen Fall auf anderem Wege begleichen, z.B. indem wir aus der Pendlerpauschale als steuerliche Absetzmöglichkeit (von der Geringverdiener wegen ihrem niedrigen Grenzsteuersatz herzlich wenig haben!) einen Pendlerzuschuß machen, z.B. direkter Steuerabzug von 12 c/km statt Absetzen von 30 c/km. Oder wir akzeptieren, dass die viele Fahrerei schlecht für’s Land ist und subventionieren es eben nicht.
Die Idee gleichzeitig Alternativen wie Bahn, Tram und Busse zu fördern ist natürlich gut. Man muß ja nicht nur sagen, was man nicht/weniger will, sondern gelegentlich auch mal was man will/mehr will.
Bei der GEZ hast du recht. Da müßte man mit einem ganzen Gesetz und einem Gedankengebäude aufräumen, warum die Finanzierung über Gebühren unabhängig macht und warum ein steuerfinanzierter öffentlich-rechtlicher Rundfunk seine Unabhängigkeit verlieren würde. Ist natürlich vollkommener Quatsch. Oder denkt jemand, dass die Kirchen vom Staat kontrolliert werden, nur weil der die Mitlgiedsbeiträge für sie eintreibt? Ob der Gesetzgeber jetzt das Budget über eine Gebührenfestsetzung oder ein Budgetgesetz bestimmt, hat nun wirklich nichts mit inhaltlicher Abhängigkeit zu tun. Hat aber alles mit effizienter Verwaltung zu tun.
Persönlich halte ich den Ruf die Einsparungen auf die ‘oberen’ zu konzentrieren zwar nicht für falsch aber als Fokus für verfehlt. Zwei Gründe:
1. wir brauchen in Top-Verwaltungspositionen richtig gute Leute. Und die muß man bezahlen, damit sie nicht in die Industrie abwandern. Da kann man über Mangergehälter denken was man will, staatliche Verwaltung lebt nicht auf einem anderen Planeten. Statt am Gehalt rumzumäkeln würde ich lieber verstärkt Topleistungen einfordern und das Ausbleiben der selben schärfer sanktionieren!
2. der Fokus auf ‘die da oben’ bringt finanziell in der Summe relativ wenig und lenkt ab vom eigentlichen Sparpotential: durch Abschaffung von unnötigen Vorgängen ganze Abteilungen und Ämter abzuschaffen, mit Topleuten und allem.
Wir sind jetzt ziemlich vom Thema ‘nachhaltiger konsum für alle’ abgedriftet. War aber trotzdem erhellend ;-)
Gruß
Jochen
Hallo Jochen,
das mit den Top-Leuten und “gute Bezahlung” ist ja nachvollziehbar. Mein Denken ging aber dahin, das im Unterschied zwischen den gesetzl. Kassen und der Privatwirtschaft das Geld der gesetzl. Kassen ja nur “in Verwahrung” genommen wird, weil die Einzahler ja auch von dem eingezahlten Geld möglichst so viel wieder heraus bekommen, damit er/sie z. B. einen ruhigen Lebensabend haben können. Das Geld der Einzahler gehört also den Kassen nicht, während in der freien Wirtschaft die Gelder für die Manager die Unternehmen “erwirtschaftet” haben.
Hier den Einzahlern zu erklären, warum die Top-Leute höhere Bezüge kassieren, während die Einzahler immer weniger bekommen, dürfte schwer fallen. “Die bedienen sich gut an unserem Geld” wäre also nicht mal so falsch gedacht.
Der Gedanke kam mir beim anhören einer Bundestagsdebatte zur Rente mit 67, als ein Abgeordneter sagte “Wenn die Arbeitnehmer 2 Jahre länger arbeiten, bekommen sie 55€ mehr Rente” (war ein Grüner, soweit ich mich erinnern kann). Wieviel Euro an Beiträgen in die Rentenkassen haben dann die Arbeitnehmer in diesen 2 Jahren einbezahlt und sind diese 55 Euro mehr auch wirklich garantiert/gesichert?
Angenommen, der Arbeitnehmer zahlt in den 2 Jahren um die 2000 Euro ein und bekommt dann nur 55€ mehr, muss aber trotzdem noch Grusi beantragen, wie will man dann z. B. Gehalterhöhungen bei den “Top-Leuten” dem Einzahler erklären, ohne das man darüber nachdenken müsste, gerade bei den Kassen auch zu sparen?
Wir Bio-Landwirte haben auf dem Weg zur Wiederherstellung einer nachhaltigen Produktion (Voraussetzung für nachhaltigen Konsum) maximal 10 % des Weges zurückgelegt und treten auf der Stelle. Kein Biobetrieb hat auch nur im Ansatz einen geschlossenen Produktionskreislauf. Auch Renate hat in ihrer Zeit wenig erreichen können. Beispiel: durch die BSE Hysterie wurde der Einsatz von tierischem Eiweiss in der Fütterung (Rückführung von Schlachtabfällen in den natürlichen Kreislauf) komplett untersagt und der Import von Soja nahm weiter zu. Wir haben alle ein Problem mit dem Kreislauf natürlicher organischer Reststoffe (Abfälle/Fäkalien etc), weil es irgendwie unrein ist und stinkt. Das eigentliche Problem einer solchen Kreislaufwirtschaft sind aber die zugeführten unzähligen chemisch/synthetischen Produkte wie Medikamente, Kunstoffe, Reinigungsmittel etc, die kaum oder schwer von den in der Natur vorkommenden Destruenten geknackt werden können und dabei erhebliche “Nebenwirkungen” haben. Und zweitens die Grossstädte dieser Welt mit nicht im Ansatz existierenden geordneten Lagerungs- und Rückführungsmöglichkeiten.
Jede Nachhaltigkeit beruht aber auf Kreislaufwirtschaft aller Stoffe mit nur geringen, unvermeidbaren Verlusten. Verbrennen, deponieren, verdünnen (Richtung Ozean) sind immer grosse Verlustquellen für unser System. Es gibt wunderbare Ansätze mit Trenntoiletten und Komposttoiletten, die einkleiner Schritt Richtung Kreislauf. Ich weiss, dass jetzt 90 % der Leser sagen: der spinnt, seine Sorgen möchte ich haben. Guckt einfach raus in die Natur, dort funktioniert es seit ewigen Zeiten. Es ist allerdings nicht immer ein Paradies und es gibt Härten. Und mit solchen Aussagen lassen sich natürlich keine Wahlen gewinnen.
Obwohl ich absoluter Bananenfan bin sehe ich aus diesem Grund den Export von grossen Mengen organischer Produkte von einer Region in eine andere sehr skeptisch. Es ist immer auch ein Nährstofftransport über grosse Strecken, die nicht an ihre Produktionsstelle zurückgeführt werden. Dieser Transport führt dann in einer anderen Region zur Überdüngung oder es gibt einen doppelten Energieaufwand für die Rückführung der Reststoffe. So etwas kommt in der Natur nicht vor.
Nord/Süd Gerechtigkeit heisst für mich Optimierung (Schliessung) regionaler Stoffkreisläufe (weltweit) und Handel nur mit hochveredelten Produkten bei gleichzeitig geringen Nährstoffbewegungen. Für diese hochveredelten konzentrierten Produkte muss dann fairer Preis bezahlt werden. Ja, es kann dann sein, dass bestimmte Produkte für uns Normalverdiener Luxusgüter werden. Ähnlich wie der Fleischkonsum. Aber weder ich noch ein Mensch in Burkina Faso benötigen die Lebensmittel aus dem anderen Land um glücklich zu sein, vom iPod ganz zu schweigen. Wenn wir es nicht schaffen den ökologischen Fussabdruck schnell und radikal zu verkleinern, verrecken die Armen auf dieser Welt weiterhin und wir schauen es uns in einem ökologisch korrekten Fernseher an.
Kurz: Informationen und Wissen können ja gerne weltweit ausgetauscht werden. Aber Stoffe sollten immer regional verankert bleiben. Die Globalisierung hat nur Vorteile für Pfeffersäcke, die an grossen Warenbewegungen prächtig verdienen. Einem nachhaltigen Konsum steht sie entgegen. Alle politischen Lenkungsmassnahmen müssen auf regionale Kreisläufe ausgerichtet werden.
Hallo Frank,
ich verstehe das politische Sentiment, dass hinter deinem Gedankengang steht. Persönlich zahle ich aber gerne für ein gutes Management meiner Sozialversicherungsgelder. Der Schaden durch einen schlechten Manager ist erheblich höher, als die Kosten für einen guten.
Und der philosophische Unterschied in der Natur der Gelder, die da verwaltet werden, interessiert den Manager wenig, wenn er ein Angebot hat für 100000 Euro/a eine Kranken- oder Rentenkasse zu führen und eines für 200000 Euro/a einen mittelgroßen Betrieb zu führen.
Wie schon gesagt, ich zahle gerne für gutes Management meiner Gelder. Das größere Problem sehe ich da, wo solche Posten zur Alimentierung von in Ungnade gefallenen (ex-)Seilschaftsmitgliedern genutzt werden und man dann gutes Geld für schlechtes Management bezahlt.
Daher mein Vorschlag statt Gehaltskürzungen lieber eine gehaltsgemäße Leistung einzufordern.
Gruß
Jochen
Hallo Heiner,
die Globalisierung unseres Nahrungsmittelkonsums ist eine Folge von Kolonialisierung und der technischen Entwicklung in der Landwirtschaft. Auch ich bin für eine Regionalisierung. Das setzt eine Sensibilisierung bei Konsumenten voraus. Heut ist Bio Trend. Aber wer macht sich Gedanken darüber, welchen Weg eine exotische Frucht tatsächlich wie genommen hat? Wir Konsumbürger lieben die große Auswahl in den Supermärkten, Kiwi aus Neuseeland, Physalis aus Südafrika, südamerikanisches Fleisch. Was kann den Reiz solcher Güter nehmen? Diese sind aufgrund von Transportkosten bereits teurer als andere, werden aber von einer bestimmten Konsumentengruppe bevorzugt. Ich glaube nicht, dass eine Steuer helfen würde.
Die regionale Produktion braucht mehr Öffentlichkeit.